À Paris j´ai perdu mon âme…
…mais pas mon sourire
Schon mal in Paris gewesen? Ja? Mein Beileid! Und wie siehts mit der Stadt aus? Ja? Glückwunsch! Is schick da, oder?
Es gibt 2 Arten wie man die schönste Stadt der Welt erobern kann. Ich empfehle die Zweitere.
Variante 1:
Fahr nach Paris, schau´s dir wie ein Touri an und du wirst merken, dass du eigentlich nur im Reiseführer da warst. Das Geld hättest du dir auch fast sparen können. Ein guter Marco Polo, ein paar DVDs und ein Crêpe am Waffelstand inner Leipziger Innenstadt hätten´s auch getan. Die Reise beginnt damit, dass du unheimlich froh bist, dass es den Euro gibt. In den frz. Franc umzurechnen wäre dir auch viel zu schwer und das macht das Postkarten für Onkel Bernhard-Kaufen auch irre schwer. Vive l´Euro sach ich mal, ne?! Bereits zu Hause hast du dir im Reiseführer mit bunten Klebezettelchen die Sehenswürdigkeiten markiert und die Öffnungszeiten notiert. Was im Reiseführer steht muss auch stimmen. Is schließlich ein deutscher Reiseführer. Ganz wichtig sind dabei auch die französischen Wortfetzen im hinteren Teil des Buches – so zum Schnell-Lernen an der Bus-Raststätte während die Schlange am Damenklo wieder mal so irre lang ist. „Äksküseeeee moa – u eske sche pö truweee leeeee tolet?“ Fix noch gelernt, da kann nix schief gehen. Und wenn schon. Der gemeine Franzose wird auch den Sprachenmix beherrschen. „Äksüseeeeee moa monsieur – where will ei feind se brrrrrieeeefmarken for allemania? Du ju anderständ allemania or no?
Möööörsiiii boku.“ Danke auch. Endlich angekommen wird erstmal das Touristenbudget lustig fröhlich belastet. Da holt man schon mal den Euro aus dem Brustbeutel und kauft sich ein Metroticket. Aber Vorsicht. Metroticket ist nicht gleich Metroticket. Siehst du wie ein deutscher Tourist aus verkauft man dir gleich mal das überteuerte Paris-Visite-Ticket. Mit unglaublich vielen Vorurteilen – ähm, Vorteilen natürlich, versichert man dir. Damit kannst du in gewissen Sehenswürdigkeiten sparen. Im Tour Montparnasse kannst du zum Beispiel beim Runtergucken 39 Sek. länger runterschauen. Und das zweite mal die Klospülung ziehen dort is auch umsonst. Kostet doch sonst nen Euro mehr – also für das große Geschäft. Weisse Bescheid. Im Bagel-Shop kriegst du 2 Scheiben Concombre (zu deutsch: Gurke) mehr druff. Fabelhaft. Dann gehts los. Das Hardcore-Touri-Programm. In drei Tagen gefühlte 267 Sehenswürdigkeiten, 5334 Fotos und 234 dazugehörige Effekte. „Uschi, stell dich jetze noch mal so neben dein Eiffeltorm und halte die Hände so. Dann siehts so aus, als ob du den so abstützen tust. Und jetzt noch mal Schwarz-Weiss. Das vergrößern wir und schenkens Tante Sibylle zum Gebortstach.“ Geschenke werden gekauft. T-Shirts an den Touri-Ständen. Mit Eiffelturm druff, Aschenbecher und ein mittelgroßes Plastikbaguette. Für die Anbauwand zu Hause. Weil is ja so typisch Französisch. Enttäuschung macht sich breit wenn man sich im Vorbeigehen Speisekarten in den Restaurants anguckt: „Da gibts ja jar keene Froschschenkel und Schneggen. Die essen doch hier nur sowas. Und Burger King jibts ja och nicht. Och menno.“ Ein paar Schnappschüsse am Louvre, von Notre Dame und einmal gibts auch ein Urlaubs-Crêpe am Stand in Montmartre. „Pigalle, Pigalle, du bist die kleine Mausefalle mitten in Paris.“ Das Musée d´Orsay hatte zu. Mist. Im Reisefüher stand doch dass es auf hat? Scheiss-Franzosen. Am vorletzten Tag gehts noch ins Konsummekka Disneyland. Doof nur, dass man dir nicht gesagt hat, dass du die Eintrittstix nicht vor Ort kaufen solltest. Wär besser gewesen du hättest sie dir schon in der Stadt geholt. Jetzt musste anstehen. 3 Stunden. Tausende Menschen. Viel Geld. Dein kleiner verzogener Ronny und deine Nancy wollen Plüschtiere kaufen und Kostüme anziehen. Du gibst nach und rennst anschließend den ganzen Tag mit einem Miniatur-Moppel-Peter-Pan und ner kleinen Speckrollen-Ost-Fratzen-Cinderella an der Hand herum. Fantastisch. „Oh Muddi, kann ich och damit mal fahren?“ Neben euch in der Schlange steht das West-Pendant: Familie mit Klein-Torben-Malte-Lasse und Lena-Lara-Maike in Goofy-bzw. Daisy-Kostüm. „Torben-Malte-Lasse, pieks doch dem Mann nicht immer mit deinem Schwert in den Po.“ Herrlich. Am letzten Tag gehts dann nach Hause. Mit stolz geschwellter Brust werden die Fotos angeguckt. „Guck mal Heinz, hier siehst du aus wie der Sonnenkönig Ludwig.“ Zu Hause erzählt ihr dann, ihr habt Frankreich kennengelernt. Alles ist so wie im Reiseführer. Alle Vorurteile bestätigt und wuuuuuuuunderschön. Franzosen mit Baguettes unterm Arm, Dior-Läden wie im Fernsehen und überall Liebe. Nur die Froschschenkel gabs nirgends. Schade eigentlich. Nächstes Jahr gehts nach Rom. „Bonschoooooorno“ schon mal.
Variante 2:
Vergiss den Reiseführer. Mach einen auf Abenteuer. Flug buchen, hinfliegen. Nicht wissen wie man von CDG inne Stadt kommt. Aber keine Angst. Alle Züge fahren nach Paris. Zentralismus, weisse Bescheid, ne? Und dann gehts los. Die Reise ins Ungewisse. Du kaufst natürlich ein Metroticket für alle Zonen – eins das auch die normalen Franzosen benutzen wenn sie uff Arbeet fahren. Carte Orange heisst das. Da muss eigentlich ein Foto von dir rein, weils nicht übertragbar ist. Aber sei einfach ein Rebell und lass es weg. Aufregend ist es in der Stadt dann mit deinem Koffer oder Mega-Trolley in den Metro Linie 1 zu steigen. Du musst aufpassen weil du sonst die Netzstrumphosen von Yves de Pontrbriand de la Vallière *ein hier noch unbekannter Designer* der kleinen Französinnen kaputt machst. Merde et Putain. Am schönsten ist es dann, in einem wirklich kleinen Hotel zu wohnen. Am Besten in Montmartre. Standard is völlig egal denn du bist nur zum Schlafen dort. Das Frühstücksbuffet is so mickrig, dass du dir noch nicht mal Brötchen schmieren kannst – so für den Tag. Was für ein Mist aber auch. Da muss du doch glatt essen gehen. Und jetzt raus. Auf die Straße. Hmmm. Es riecht. Es riecht nach Paris. Traumhaft. Den Geruch wirst du nie wieder los. Es riecht nach Impressionismus, nach Mittelalter und auch nach Aufklärung. Nach Toulouse-Lautrec, nach Café Procope und Absolutismus. Nach Rebellion und Aufruhr und Revolution. Das ist Paris. Fahr einfach ins Zentrum. Lauf herum. Atme die Luft ein. Den Duft der Seine, die leise vor sich in plätschert. Den Duft der Straßen, der dir sofort die Bilder von Marktschreiern und aufklärerischem Tatendrang in den Kopf fliegen lässt. Sie lassen dich nicht los, du kannst träumen. Nachdenken, Genießen, dich Wohlfühlen. Geh ans Rive Droite und Rive Gauche – träume dich in den Welt der Gelehrten, Dichter und Denker in Montmartre. Bestell dir einen Café Crème in einem Straßencafé. Bleib dort den ganzen Nachmittag, beobachte das Treiben. Fühl dich wie ein Franzose und sei glücklich. Vive la vie! Sans penser, sans être triste. Das ist das Leben. Das lässt dein Herz bubbern. Du siehst Menschen, wie sie auf Arbeit fahren, auf dem Markt einkaufen. „Was es da wohl heut zu Abend gibt? Coq au vin und einen schönen Wein? Oder was ganz anderes?“, „Ob sie ein Model für Chanel ist? Oder Balletttänzerin am Theater?“. „Ist das Pärchen frisch verliebt? Haben sie sich an der Seine kennengelernt und ein Candle-light-Dinner mit Blick auf den Glitzer-Eiffel-Turm heut Abend?“ Träum dich hinein in das Leben der Menschen. Schmunzel vor dich hin. Versuch ein paar Brocken französich zu sprechen. Man wird es dir danken. Das ist Paris. Die schönste Stadt der Welt.
Und komm wieder. Am besten jedes Jahr. Jedes Jahr nach Paris.
Merci pour votre attention. Bisous.
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- Published:
- 05/07/2008 / 09:53
- Category:
- Bunt
- Tags:
- Paris, Seelenfrieden

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