Gewalt am Nachwuchs und an der Umwelt.

(Bild oben: der natürliche Lebensraum der Ronnys)

Guten Tag, mein Name ist Kevin. Kevin Brotmeier. Ich komme aus Merseburg.

Das geht nicht runter wie Öl. Wieder ist es passiert. Mein Ohr krümmt sich vor Schmerzen, mein Hirn quält sich. Der Schmerz wandert in die Bauchgegend. Autsch. Würg. Das Urproblem in Deutschland: Körperverletzung. Körperverletzung am Nachwuchs. Körperverletzung an denen, die sich mit dem Nachwuchs rumschlagen müssen. Körperverletzung mittels der Namensgebung. Der Name der dir gegeben wurde, bestimmt deine Zukunft. Meist siehst du auch so aus, wie du heißt. Klingt komisch, ist aber so. Hat nicht jeder irgendwelche Assoziationen mit bestimmten Vornamen? Es gibt Namen, die findet man schön, elegant, doof, niedlich, langweilig. Man hasst Namen, weil sie einen an Personen erinnern, die man nicht mag, die einen verletzt haben oder die einfach total doof aussehen. Man mag Namen, weil man damit angenehme Menschen verbindet.

Von Ronnys und Nancys
Es gibt sie. Fast überall. An jedem Ort, zu jeder Zeit. Vorrangig in der Gegend hier. Ronnys und Nancys. Sie sind befreundet mit Jaquelines, Sandys, Svens und Mikes. Sie halten sich oft in Solarien auf, fahren tiefergelegte Autos und tragen Arschgeweihe. Nancys und Ronnys haben in Mitteldeutschland ihren natürlichen Lebensraum. Optisch unterscheiden sie sich meist auch etwas von anderen Weggefährten. Nicht selten präsentieren sich die Weibchen in einer blond- oder schwarzgefärbten Mähne, die die vom Münzmallorca-gegärbte Haut perfekt in Szene setzt. Dazu tragen sie MissSixty-Hosen, die so tief sitzen dass sich die Weibchen am besten komplett rasieren. Ihre Augenbrauen existieren meist nicht mehr. Sie werden geschickt mit einem tiefschwarzen Kajal nachgezogen. Ganz dünn. Männchen und Weibchen zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie ihr vorhandenes Nicht-Wissen über Gott und die Welt in schreib- und sprachlegastheniker-ähnlichen Wortfetzen in Dissen und an Bushaltestellenwartehäuschen in Kombination mit Mixery, einem trendigen Bier-Cola-Gemisch zur Schau stellen. Beim Nachfragen reagieren sie meist mit: „Hä? Wees isch doch nisch Alter.“

Wenn der eigentliche Ur-Name nicht sowieso schon 2-silbig ist, neigen diese Menschen auch dazu ihren ohnehin schon nicht gehaltvollen Namen abzukürzen. Dies ist meist bei weiblichen Personen zu sehen bzw. zu hören. Schnell wird aus dem Namen ein abgekürzter Spitzname – aus 2 Silben bestehend. Meist auf „i“ endend. Auf Beispiele verzichte ich, da ich mich sowohl vom Benutzen (also Aussprechen) als auch vom Tippen dieser wiederlichen Erscheinungen distanziere. Doch warum dieser Spitznamen-Unfug? Forscher haben herausgefunden, dass dies aufgrund von 2 Gründen geschieht. Zum Einen, der wohl Seltenere, schämen sich die Betroffenen ihres Namens, versuchen ihn so zu verstecken oder zu vertuschen. Zum Anderen, (der aufgrund des mangelnden IQs häufiger Auftretende) mangelt es den Betroffenden an der nötigen Intelligenz, sich ihren ursprünglichen Namen zu merken oder ihn auszusprechen. Daher tendieren sie dazu, ihn einfach abzukürzen. Meist muss dies auch geschehen, damit das um sie gestellte Umfeld, also die mit ihnen agierenden Mitmenschen, auch Freunde genannt, auch ihren Namen aussprechen können. Meist sind die nämlich genauso dumm. Und was 2-Silbiges, billig-Klingendes, merkt sich einfach besser und spricht sich auch im Suff noch halbwegs aus.

Von Torbens und Maikes
Torbens und Maikes existieren. Man weiß nur leider nicht so genau warum. Forscher haben herausgefunden, dass sie möglicherweise dazu dienen, den 24-Korn-Müsli-Vorrat des Landwirtschaftsstaatshaushaltes aufzustocken. So für schlechte Zeiten. Wenn es irgendwann keine Kühe und Schweine mehr gibt. Damit wir nicht verhungern. Torbens und Maikes leben überall im Bundesgebiet. Die Urtorbens zeigen sich in braunem Gewand. Aus einer Mischung aus Jute und Bast, mit Römerlatschen. Back to se roots halt. Meist mit ein paar Haaren auf den großen Zehen, stehen sie im Ökofeinkostladen an der Theke und empfehlen selbstgeerntete Senfkörner auf Biofeinkosttofu mit 3.-Welt-Sauce. Die etwas weiterentwickelte Form traut sich auch schon einmal den natürlichen Lebensraum zu verlassen und sich modernen Lebens- und Erscheinungsformen zuzuwenden. Sie finden sich an Universitäten zusammen. Meist in sozialpädagogischen Fakultäten fachsimpeln sie darüber wie es möglich ist, die Erziehung vom Nachwuchs noch antiautoritärer zu gestalten. Anti ist ihr Lebensmotto. Nicht selten geschieht dies während eine Maike, die die Niederkunft ihres mit einem Torben gezeugten Nachwuchses, genannt Ole, erwartet, im Hörsaal einen hellbraunen Babyschal strickt und gleichzeitig mit ihrer Freundin, auch eine Maike, die währenddessen ihren Nachwuchs ungeniert in der ersten Reihe stillt, über die Zukunft und den Verfall der modernen Gesellschaft philosophiert.

Von Kevins, Justins und Aaliyahs
Sie treten die Nachfolge an. Die Nachfolge der vom Aussterben bedrohten Ronnys und Nancy. Die aufziehenden Eltern glauben jedoch, dass sie direkte Nachfolger von berühmten Popstars sind. Immer schon waren Eltern der Meinung, Talente und Besonderheiten ihrer Kinder zu fördern, in dem man ihnen schon vor der Geburt den Namen ihrer Idole gab. Früher glaubten Eltern, ihre Romy würde einst so schön wie die die Kaiserin Sissi. Oder sie dachten, ihre Samantha würde einst auch so große Glocken bekommen wie Samantha Fox. Namengeben als Karriereankurbler? Dabei sollte jedoch auch das Hinterteil bedacht werden. Damit ist der Nachname gemeint, der in deutschen Landen meist nur selten zum exotischen Vornamen passen will. Forscher fanden heraus, dass es höchst unwahrscheinlich sein wird, dass ein Justin Rohrschneider später einmal Bundeskanzler sein wird. „Wir begrüßen recht herzlich, den Bundestagspräsidenten Kevin Bratschilling.“ Wer´s glaubt wird selig. Oder doch? Wenn unsere Welt im Moment nur noch aus Kevins und Justins besteht, dann werden wir diesen Namen tatsächlich später wieder begegnen. In der Politik, im Unternehmertum, in der Wirtschaft. Grauselig. Noch lustiger ist die Vorstellung wie diese Namen im Alter verwendet werden. „Na mein Süßer?! Sag dem Opa Justin doch einmal Hallo. Der Opa Justin hat hier was aus seiner Kindheit für dich. Ein Ipod. Damit hat der Opa Justin früher Musik gehört und zusammen mit Oma Chelsey getanzt.“

So long
Vive le kevinisme


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