Es ist Winter. Schnee. Kuschelige Abende mit ganz viel Kerzen und Wärme. Menschlichkeit und Liebe. Ja, das ist der Winter.

Aber der Winter ist auch der Saisonstart für Eitelkeiten. Eitelkeiten gezeugt von einer Ehe, die sich „Trend und Dummheit“ nennt. Es paaren sich der unüberwindbare Drang nach Coolness und die sich im Minusbereich befindende Anzahl von produktiven Hirnzellen. Trendsport meets Unterbelichtung. Perfekt. Winter ist toll. Wer jetzt noch nicht ganz genau weiß worauf meine Wenigkeit hinaus will, dem sei es jetzt gesagt: es ist die Zeit des Wintersports. Um eines klar zu stellen: ich mag Sport, ich mag Winter und ich finde es unheimlich schön anzuschauen. Schicke Ski in einer traumhaften Winterlandschaft. Und dann dieses wunderschöne Geräusch der Ski beim Wedeln im Schnee. Das Knirschen der Boots wenn man zum Lift läuft. Und die unnachahmlich schönen Bewegungen eines dem Wintersport zugeneigten Körpers – links, rechts, links, rechts. Die Sonne scheint und der Schnee glitzert. Sehr schön, wie ich finde.

Doch leider hat sich in dieser Gesellschaft der Dummtrendteufel eingeschlichen. Ehrliche Wintersportler, die dem reinen Sportgedanken frönen, die einfach nur Lust an Bewegung in einer grandiosen Winterlandschaft besitzen, aktiv und gesund bleiben wollen, werden diesem originären Gedanken beraubt und betrogen. Betrogen von unterbelichteten Möchte-Gern-Trendsettern, die mit ihrer aufdringlichen Präsenz die Pisten belagern und die Mitmenschen mit ihrer alleinigen Anwesenheit belästigen. Gemeint sind Männchen und Weibchen, deren IQ sich der Jahreszeitdurchschnittstemperatur angepasst hat und die sich dem Wintersport verschrien haben, obgleich das was sie tun damit überhaupt nichts zu tun hat.
Es geht schon vor dem Saisonstart los. Die sonst überbräunten Weibchen mit Tussicharakter starten durch. Natürlich hören sie in ihrer Freizeit Rap und RnB, wackeln dazu in der Disse mit ihren Hinterteilen und kaufen sich regelmäßig Modezeitschriften (daran ist im Kern nix auszusetzen, mach ich auch gelegentlich). Doch diese Menschen haben für sich einfach noch nicht erkannt, dass es nicht immer des Rätsels Lösung ist, sich Trends hinzugeben – auch wenn man gar nicht der Typ dafür ist. „Snowboarden ist einfach cool“ sagt die Zeitschrift. „Checke hier dein heißes Pistenoutfit“ heißt es. „Wie du auf der Piste die Kerle beeindruckst“ tönt man. Und siehe da: Man findet Abnehmer und Nachahmer. Das gebräunte Etwas mit Zungenpiercing muss jetzt auch unbedingt snowboarden. Weil man da so schöne Sachen anziehen darf und geil aussieht. Und Kerle kriegt man auch noch ab. So n Snowboardlehrer hat doch was. Auch wenn es keine Hirnmasse ist. Muskelmasse tuts ja auch. Verstand muss nicht sein – den kann man ja auch nicht poppen. Im August geht’s dann schon los: Klamotten checken. Die Sachen aus dem letzten Jahr sind noch super. Waren ja auch teuer. Aber irgendwie isses doch uncool. Schon wieder die gleichen Farben. Und hui, das Board könnte mal ne neue Bindung gebrauchen. Für die neue Bindung braucht man neue Boots. Der eine Handschuh is am Verschluss etwas angesudelt (vom Aprés-Ski auf der Hütte. Da hatte der stramme Danny den Jagr-Tee im Suff verschwappt. Ups.). Tja, da braucht man Neue. Die Neuen sind rosa. Jetzt passen sie nicht mehr zu Jacke und zur Hose. Schnell wird der Katalog eines größeren Sport-ich-bin-so-cool-Warenhauses (was sich auf Heckmeck reimt) geschnappt: „Die Mütze würde so super zum Kragen dieser Jacke passen. Und die Farbe dieser Brille findet sich in den Streifen des neuen Boards wieder.“ Gekauft ist gekauft. 1000 Euro sind weg. „Voll billig“ denkt sich das Pistenluder und vergisst nebenbei dass sie morgen noch einen Test in Biologie nachschreiben muss (Einzeller sind das Thema. Müsste sich doch so einfach lernen. Ist doch alles Familiengeschichte.) Hauptschule ist halt auch gar nicht so einfach. Egal. Hauptsache das Outfit stimmt.

Aber auch Pseudo-Studenten folgen diesem Trend. Die Möchte-Gern-Sportler sind die, die in ihren Profilen im Internet bei Hobbys immer „Joggen“ schreiben. Weisse Bescheid. Dort könnte auch stehen: das kurze Adidem-Oberteil zur Schau tragen und ohne zu schwitzen besonders cool aussehen. Das sind auch die, die sofort in einem Speedy-Gonsalez-Tempo losrennen und wenn sie hinter der nächsten Rotbuche versteckt sind, stoppen und sich das Böse ausm Hals röcheln. Aber Hauptsache ne Stunde unterwegs sein und den Ipod immer schön in der Hand halten. Aber nicht etwa der blöde Silberne mit 2 GB. Nee. Der Schwarze isses natürlich. Passt mehr druff und so, ne. Diese Pseudo-Jogger, sind auch Snowboarder. Sie achten darauf, dass sie auf den Pistenbildern immer schön in Szene gesetzt sind. Die Hose muss „baggy-sitzen“ – nur nicht uncool und so, ne! Und woher wird das Geld genommen? Geld? Welches Geld? Das Leben kostet Geld? Die Pseudo-Sportlerin mit der Immabescheinigung in der Tasche ist von Beruf Tochter. Solang die Eltern leben, sind Winterurlaube immer drin. Auf der Piste ist es dann immer wieder gleich. Der ehrliche Aktiv-Urlauber Horst mit seinem Funktions-Ski-Outift („das hält jetzt schon 7 Jahre!“ berichtet er) muss zur Seite flüchten. 3 Trend-Pisten-Emmas mit hysterischem Lachen nähern sich in einer snowboard-ähnlichen Bewegung aber mit verdammt coolen Brillen seiner Richtung. Dabei sind noch 3 Trend-Pisten-Hoschis. Braun gebrannt, den Touareg vom Papa unten geparkt haben sie sich vorgenommen heute „Bunnys zu jagen“. Sie zeigen den paarungswilligen „Snowboarderinnen“ mal wo der Frosch die Locken hat. Und snowboard-fahren wollen sie ihnen auch noch beibringen. Doch dazu kommt es selten. Das „Hihihi und Hahaha“ – also das dümmliche Gelache der Mädels, welches sie immer von sich geben wenn sie mit ihren vom Joggen wohlgeformten Hintern in den Schnee fallen oder wenn einer der männlichen Pistenbernds sie zufällig am Selbigen berührt, führt immer wieder zu Unterbrechungen. “Och Mensch Stanley, wirf mir nicht immer Schnee in die Kapuze. Und mein Make-up is auch schon ganz schön vermanscht. Och Menno.” Diese Ausrufe sind dabei keine Ausrufe der Entrüstung sondern eher eine Aufforderung des Weitermachens. Sich vom coolen Snowboarder begrabbeln zu lassen. Das hat doch was. Das Weibchen versucht wegzulaufen. In einem Tempo und mit einer Dummchen-ähnlichen Anmutung, welche das Männchen zur direkten Verfolgung aufordern soll. Wimpernschlagen hier, sich eine Haarsträhne mit den French Nails aus dem Gesicht wischen da. Das Konglomerat aus Blödheit, Trendbewusstsein und Unterbelichtung findet sich, verbündet sich und belästigt andere. Aber Hauptsache das Outfit stimmt. Zwischendurch wird immer wieder die neue Digicam gezückt. Bilder im Schnee werden gemacht. Dummheit posiert, die Linse zerspringt beinah. Die Bilder werden dann ins Studivz gestellt. Hervorragend. Und wo ist der Sport geblieben? Bis auf das Versacken beim Aprés-Ski und die Matratzenbelastung in der nächtlichen Wintereinöde („Boah war das ne geile Nacht. War ich besoffen. Und dann hab ich ins Taxi gekotzt. War das geil“) ist die körperliche Betätigung in den Hintergrund getreten und gesellt sich somit zu der Hirnbetätigung. Die beiden nehmen sich eine Auszeit. Wie immer eigentlich.
Ist die Wintersaison zu Ende wird dem Trend weitergefolgt. In der Zeitschrift stand, dass nächstes Jahr Kitesurfen in sein wird. „Cool“ denkt sich die gebräunte 48-Kilo-Dummheit und schnappt sich den Sportkatalog. „Das lern ich auch, das ist in.“ murmelt sie.
Im Profil steht dann auf einmal „Joggen und Kitesurfen“.

2 Kommentare

  1. bist du dir sicher, nicht irgendein klischee vergessen zu haben? ich persönlich vermute: restlos reingepackt.

  2. Nein, ich glaube ich hab alles geschrieben was es so gibt, oder? Natürlich versichere ich nicht die 100%ige Vollständigkeit – wenn was fehlt, dann könnt ihr gern ergänzen. Freu mich über Inspirationen :-)


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